Mit dem Bau des Klärwerkes löste die Stadt Wolfsburg die Aufgaben der Abwasserbehandlung und -verwertung. Das "Wolfsburger Modell des Wasserrecyclings und der Kreislaufwirtschaft" wurde realisiert.
Unter Kreislaufwirtschaft versteht man die möglichst weitgehende Schließung von Stoffkreisläufen zwischen Produktion und Entsorgung. Ziel ist, die Entstehung von Abfällen langfristig und nachhaltig zu verhindern.
Die Abwasserreinigung bildet die Voraussetzung zur anschließenden Abwasserverwertung und ist somit Grundlage der Kreislaufwirtschaft.
Im Klärwerk Wolfsburg wird das Abwasser (ausgenommen des Abwassers des VW-Werkes) so behandelt, dass durch die gezielte Steuerung der Reinigungsprozesse Klarwasser mit unterschiedlichen Eigenschaften produziert wird und dementsprechend verschiedenartig genutzt werden kann.
Es werden zwei Verfahrensrichtungen unterschieden, Sommer- und Winterbetrieb.
Die landwirtschaftliche Nutzung des geklärten Abwassers bietet eine geeignete Möglichkeit, Recycling-Wirtschaft zu betreiben. Während der Vegetationszeit in den Sommermonaten wird geruchsfreies, nährstoffreiches Klarwasser zur Bewässerung und Düngung landwirtschaftlicher Nutzflächen verwendet.
Sicherung des Pflanzenwachstums durch Wasser- und
Nährstoffgaben.
So werden Lücken im Nährstoffkreislauf geschlossen, Stickstoff und Phosphor an den Ort ihres Entzuges rückgeführt, Beregnungswasser (Grundwasser) und Düngemittel eingespart.
In den Wintermonaten werden aus dem Abwasser Stickstoff und Phosphor eliminiert, so dass letztendlich nährstoffarmes Klarwasser entsteht. Dieses Wasser eignet sich zur Grundwasseranreicherung. Es wird in ein Waldgebiet gepumpt und dort oberflächennah versickert.
Verrieselung während der Wintermonate erhöht die
natürlichen Grundwasservorräte.
Verbandseigene Verrieselungsfläche im Waldgebiet Lohbusch
Auf diese Weise werden Defizite in der Grundwasserbilanz ausgeglichen und die Trink- und Brauchwasservorräte der Region gesichert. Das gereinigte Abwasser, das üblicherweise in den nächsten Vorfluter abgeleitet wird und so in die Nordsee gelangt, wird an einer Stelle in den Wasserkreislauf zurückgeführt, an der es als kostbares Süßwasser erhalten bleibt.
Meßpegelsystem zur Grundwasserüberwachung
Im Verbandsgebiet werden vorrangig Pflanzen angebaut, deren Ernteprodukte zur Verwertung im nonfood-Bereich bestimmt sind.
Rapsfeld
Die landwirtschaftlich genutzten Flächen im Raum Wolfsburg werden aus sandigen, sorptionsschwachen, gut durchlässigem Substrat gebildet. Diese aufgrund der beschriebenen Standorteigenschaften nährstoffarmen, z. T. trockenen Böden sind nur bedingt zum Acker- und Pflanzenbau geeignet. Erst die Anhebung der Bodenfruchtbarkeit durch Düngung und Bewässerung macht den Anbau anspruchsvoller Kulturen, wie z. B. Zuckerrüben, möglich. Aus dieser Notwendigkeit heraus wurde das "Wolfsburger Modell" ins Leben gerufen.
Im Verbandsgebiet des Abwasserverbandes Wolfsburg werden folgende Pflanzenarten angebaut:
| Pflanze | Inhaltstoffe | Produkte |
| Raps | Öle und Fette | Schmierstoffe, Öle, Treibstoff, Weichmacher, Tenside, Pflanzenschutzmittel, Lacke, Farben |
| Kartoffel | Stärke | Biologisch abbaubare Werkstoffe, Arzneimittel, Kleister, Kleber, Leim, Ethanol |
| Weizen | Stärke | Biologisch abbaubare Werkstoffe, Arzneimittel, Kleister, Kleber, Leim |
| Mais | Biomasse | Biogas zur Energieerzeugung |
| Markerbse | Eiweiß | Klebstoffe, biologisch abbaubare Werkstoffe, Tenside, Arzneimittel |
| Zuckerrübe | Zucker | Biologisch abbaubare Werkstoffe, Arzneimittel Kosmetika, Waschmittel, Ethanol |
Der Industrie- und Energiepflanzenanbau bietet vielversprechende Alternativen, um die Konkurrenzfähigkeit der Landwirtschaft zukünftig zu gewährleisten, weil
Neben wirtschaftlichen Vorteilen besitzt der Anbau nachwachsender Rohstoffe positive Wirkungen auf die Umwelt:
Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass
Von der Umsetzung der Kreislaufwirtschaft profitieren Mensch und Natur.
Im Rahmen der EXPO 2000 beteiligte sich der Abwasserverband mit dem dezentralen Projekt 'Kreislaufwirtschaft - Resource Management, Demonstrationsanbau nachwachsender Rohstoffe im Verbandsgebiet Brackstedt. Ziel war es, das Gesamtsystem Wasserrecycling und Kreislaufwirtschaft einem großen Publikum näher zu bringen. Hauptsächlich richtete sich der Beitrag an die Wolfsburger Bürger und die Einwohner der umliegenden Landkreise, jedoch auch landwirtschaftlich oder siedlungswasserwirtschaftlich Interessierte sollten angezogen werden . Gezielt für das Projekt geworben, wurde in Wolfsburger Schulen, da gerade bei Jugendlichen eine hohe Aufklärungsrate erreicht werden sollte.
Nach Beendigung der EXPO 2000 konnte festgestellt werden, dass die Beteiligung des Abwasserverbandes ein voller Erfolg war und Ansporn ist, um das Erreichte auszubauen und fortzuführen.