Die derzeitig vom Abwasserverband Wolfsburg praktizierte landwirtschaftliche
Klärschlammverwertung ist zukünftig nicht mehr möglich. Gesetzliche Einschränkungen
und im wesentlichen auch Bedingungen fast aller Handelsketten erfordern eine
konzeptionelle Änderung der bisherigen Verwertungsstrategie im Rahmen der gesetzlich
geforderten Entsorgungssicherheit. Zur landwirtschaftlichen und auch zur landbaulichen
Verwertung des Klärschlammes gibt es als Alternative nur die Möglichkeit der Verbrennung
in externen Kraftwerken. Voraussetzung hierfür ist die Erhöhung der
Schlammtrockensubstanz von 20 % auf ca. 85 %. Diese weitergehende Entwässerung ist
technisch nur mit einer thermischen Behandlung in einer Trocknungsanlage möglich.
Mit dem Bau einer entsprechend der zu behandelnden Schlammmenge dimensionierten Biogasanlage zur Vergärung nachwachsender Rohstoffe
ist die Bereitstellung der erforderlichen Energiemenge über die Abwärmenutzung
sichergestellt.
In der Biogasanlage wird Energiemais als
Ganzpflanze in anaeroben bakteriellen Prozessen zu Methangas umgesetzt. Dieses Gas ist
direkt nutzbar und dient der Beschickung von zwei Blockheizkraftwerken (BHKW). Technisch
möglich ist eine Ausbeute von rd. 40 % elektrischer Energie zur Einspeisung in das
öffentliche Netz und rd. 45 % (Rest als Strahlungsverluste) an anderer Stelle häufig
nicht nutzbarer thermischer Energie aus Kühlwasser und Abgas.
In unserem Falle schließt sich der Kreislauf jedoch durch den direkten Synergieeffekt mit
einer fast 100 %igen Abwärmenutzung im Klärschlammtrockner. Das "Wolfsburger Modell des Wasserrecyclings"
erhält neue Impulse im Sinne der Kreislaufwirtschaft und eine langfristig gewährleistete
Entsorgungssicherheit wird realisiert. Durch die Ausnutzung der Einspeisevergütung aus
dem EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) ist das Verfahren nicht nur ökölogisch sondern
auch wirtschaftlich konkurrenzlos zur konventionellen Trocknungstechnik.
technische Ausrüstung
Seit Jahren unterstützt der Abwasserverband Wolfsburg die Landwirte im Verbandsgebiet durch Nmin-Untersuchungen bei ihrer Düngeplanung. Seit 2001 werden zusammen mit der Landwirtschaftskammer Hannover nun auch Exakt-Versuche zur Stickstoffdüngung unter Abwasserverregnung durchgeführt und ausgewertet, um noch genauere Aussagen zur optimalen N-Düngung im Verregnungsgebiet geben zu können.
Mit der Einführung eines täglich aktualisierten Auskunftssystems bezüglich der ausgebrachten Verregnungs- und damit auch Düngermengen je Schlag, und den Erkenntnissen aus den Düngeversuchen werden dem Landwirt wichtige Informationen geboten, die er für die effiziente Reduzierung der N-Düngung benötigt.
Bei endokrinen Stoffen handelt es sich um hormonell wirkende Stoffe, welche gesundheitliche Störungen im intakten Organismus (Störungen des Immunsystems, Fortpflanzungsstörungen) oder seinen Nachkommen erzeugt. Umweltchemikalien und synthetische Steroide, aber auch pflanzliche Stoffe (Phytoöstrogene) stehen im Verdacht das hormonelle Gleichgewicht zu stören. Eintragsquelle von Substanzen mit endokriner Wirkung ist neben dem Luftweg der Abwasserpfad. Hier erfolgt der Eintrag durch Ausscheidungen mit Urin und Fäzes. Dieser Eintrag aufgrund natürlicher Ausscheidungen ist unvermeidlich, so dass eine Verminderung der Belastung von Oberflächengewässern über eine Verbesserung der Eliminationseffizienz der Kläranlage sinnvoll ist.
Dazu stellen sich im Vorfeld folgende Fragen:
Zu diesen Fragen ist ein Forschungsvorhaben mit der Universität Hannover begonnen worden. Die Untersuchungen beinhalten die Analyse und Bilanzierung des In- und Outputs, um die Sorption an den Schlamm und den Verbleib in der Wasserphase zu differenzieren. Des weiteren sollen die Abbauprozesse bilanziert werden und zwar in Abhängigkeit vom Schlammalter (Sommer- /Winterbetrieb) und unter thermophilen Bedingungen.